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07.04.22

Kaschieren ist unsere Leidenschaft, obwohl wir nichts zu verbergen haben

Kaschieren ist unsere Leidenschaft, obwohl wir nichts zu verbergen haben


Unter Kaschieren verstehen wir – einfach ausgedrückt - das Bekleben einer Fläche.
Der Begriff stammt aus dem Französischen „cacher“ und kann übersetzt werden mit „verdecken, verbergen, verstecken“.
In der Modewelt beispielsweise versteht man im Allgemeinen unter Kaschierung, wenn durch Kleidung oder Accessoires die Figur bestmöglich betont wird, in dem man vermeintliche Makel verbirgt.
In der Fertigungstechnik spricht man vom Kaschieren, wenn
  • verschiedene Werkstoffe,
  • gleiche oder unterschiedliche Materialien oder
  • mehrere Lagen
mit Hilfe von Klebstoffen fest und endgültig miteinander verbunden werden. Der Hauptzweck des Klebens und Kaschierens besteht im Verbinden von Werkstoffen und dem Überdecken von Flächen.
Im Papier- und Druckbereich wird die Kaschierung z.B. bei der Verklebung von mehreren gleich oder unterschiedlich dicken Papp- oder Papierbahnen zu einem festen Kartonbogen, z.B. Passepartoutkarton angewandt.
Unsere Passepartoutkartons sind mit pH-neutralen Dispersionsleimen verleimt und für die Anfertigung von Passepartouts oder als Bildauflage perfekt geeignet.
Bei unserer Kölner Pappe, einer finnischen Holzpappe, ist die Oberfläche mit dünnem Papier kaschiert. Dadurch sind die Einsatzmöglichkeiten besonders vielfältig, z.B. als Siebdruckpappe oder Deko- und Kaschierkarton.
Verklebt man ein Bild oder Foto auf einem Trägermaterial, wie z.B. einer Leichtschaumplatte (KapaAirplac®) oder einer Pappe, geschieht diese Art der Kaschierung - auch „Aufziehen“ genannt - entweder von Hand oder mit speziellen Pressen im Kalt- oder Heißkaschierverfahren. Weitere Trägermaterialien sind beispielsweise MDF- (mitteldichte) oder HDF- (hochdichte) Kartons. Auch eine Kaschierung von Fotografien hinter Acrylglas oder - sehr modern - auf Aluminium-Verbund-Platten wie bzw. Etalbond ist möglich. 
Bei kaschiertem Papier, kaschierter Pappe oder einem kaschierten Poster als Druckveredelung werden durch die Verklebung mit harten Untergründen unschöne Wellungen vermieden. Das feinere, empfindlichere Material erhält dadurch die „Funktion“ des stärkeren Materials und wird demnach stabiler. Man kann die Bilder gut an die Wand hängen.
Wird beispielsweise ein Hardcover-Notizbuch kaschiert, so wird auf die Hartpappe (Deckel hinten & vorne sowie seitlich) das Einbandmaterial, z.B. Leinen, Leder oder Folie (Mattfolie Glanzfolie, Softtouchfolie), aufgeklebt. Beim Softcover erfolgt die Kaschierung entsprechend auf einer dünneren Pappe, damit das Cover beweglich bleibt.
Für gewöhnlich kleben wir die zu kaschierenden Papiere oder Folien mit flüssigen Klebstoffen. In manchen Fällen werden Klebemittel verwendet, die nur unter warmen oder heißen Pressdruck klebefähig werden (z.B. mit Klebefolie im Heißkaschierverfahren).
Verschiedene Klebearten für verschiedene Anwendungen – Feuchtklebung, Warmklebung, Selbstklebung oder Schweißung.
  • Bei der Feuchtklebung (Nasskaschierung) kleben wir mit flüssigen Klebstoffen, die aufgetragen werden, z.B. Leim, Lack oder Wachs.
  • Bei der Warmklebung wird auf den Werkstoff ein Lösungsmittel aufgetragen, welches unter warmen Druck eine Klebung herbeiführt, die sogenannte Thermokaschierung.
  • Bestreichen wir zwei Werkstoffe mit Klebstoff, lassen ihn trocknen, decken beide Teile aufeinander und erzielen dann eine Klebung, zu der jedes Teil für sich allein ungeeignet wäre, dann spricht man von einer Selbstklebung bzw. Trockenkaschierung.
  • Das Schweißen, eine besondere Art des Klebens, geschieht auf elektrischem Wege: Die Werkstoffe werden miteinander verschmolzen.
Mit einer Klebung werden zwei Werkstoffe durch eine zwischen ihnen liegende Klebstoffschicht miteinander verbunden.
Der Klebstoff
  • dringt entweder in den Werkstoff ein,
  • er schmiegt sich ihm an oder
  • er verschmilzt mit ihm.
Die meisten Werkstoffe sind porös, d.h. der flüssige Klebstoff kann in die Poren eines Werkstoffes eindringen. Je nachdem, wie stark die Porosität ist, dringt der Klebstoff mehr oder weniger tief in den Werkstoff ein.
Die dazu benötigte Zeit ist allerdings zu einem guten Teil vom Zustand des Klebstoffes abhängig.
  • Wie ist die Temperatur des Klebstoffs: Kalt oder warm?
  • Ist die Konsistenz des Klebers eher dickflüssig oder dünnflüssig?
  • Handelt es sich um einen wasserreichen oder eher wasserarmen Klebstoff?
Die Klebung entsteht bzw. beruht auf der Fähigkeit der Poren, Feuchtigkeit aufzunehmen (Kapillarität). Nach dem Erstarren des Klebstoffes besteht zwischen dem Werkstoff und dem Klebstoff eine Verbindung.

Beim Kaschieren ist viel Fingerspitzengefühl gefragt
Die Bildkaschierung ist irreversibel. Wir empfehlen deshalb bei hochwertigen und musealen Unikaten keine feste Verklebung.
In jedem Fall sollte man aber bei hochwertigen Kaschierungen auf die Säurefreiheit der Folie legen (z.B. Gudy von Neschen – eine Kaltklebe-Aufziehfolie und unser klebender Alleskönner mit einer qualitativ hochwertigen Optik).
Die Kunst des Klebens besteht nicht nur darin, Werkstoffe aneinanderhaften zu lassen. In manchen Fällen verhalten sich die geklebten Teile nicht, wie sie sollen und wie es vorausberechnet war. 

Durch physikalische und chemische Einflüsse kann es sein, dass Veränderungen eintreten, die trotz aller Erfahrung nicht immer vorausgesehen werden können, vor allem wenn mit neuartigen Werkstoffen oder Klebstoffen gearbeitet wird. 

Vor allem die Statik der zu verbindenden Werkstoffe ist zu beachten:
Dicke, Dichtigkeit, Festigkeit, Zähigkeit, Laufrichtung, Dehnrichtung des zu kaschierenden Materials muss analysiert werden. Es ist zum Beispiel nicht gleichgültig, auf welcher Seite ein Werkstoff „angeschmiert“ und auf welcher er beklebt wird. Beachtet man die Feinheiten nicht, rollt sich z.B. das kaschierte Papier zusammen.

Wenn es möglich ist, empfehlen wir grundsätzlich bei verzugsempfindlichen Materialien, z.B. Leichtschaumplatten, auf der Rückseite eine Gegenkaschierung mit demselben Material, um den Verzug aufzuheben.

Jede Klebung ist demnach eine Herausforderung und benötigt viel Sachverstand und Feingefühl.

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